DAVID & HANS IM INTERVIEW

Nach über 20 Jahren Auszeit hat sich die Gruppe Yachad („gemeinsam“), der Treff für jüdische Lesben und Schwule, in Frankfurt wieder neu zusammengefunden. Wir haben mit Hans und David gesprochen.

„Vor 20 Jahren war Yachad Frankfurt sehr aktiv“, erinnert sich David, der bereits Ende der 90er dabei war.


„Wir trafen uns hin und wieder zu Feiertagen und zum Schabbat. Dazu luden engagierte Mitglieder oft auch zu sich nach Hause ein. Zum Beispiel wurde am Schabbat auch ein Kiddusch-Gebet gesprochen und die religiösen Mitglieder haben einen eigenen Siddur, ein jüdisches Gebetsbuch, zusammengestellt. Es gab auch einen jüdischen Salon mit Lesungen und wir haben am CSD mit einem Wagen teilgenommen, was wahrscheinlich der erste eigene jüdische Wagen auf einer CSD-Parade in Europa war“.

Die Gruppe aus etwa 20 Personen fiel auseinander, als einige der organisierenden Mitglieder aus Frankfurt wegzogen.





Das ist nun 20 Jahre her. Grund genug, die Gruppe wieder aufleben zu lassen – das dachte sich Johannes „Hans“ Aaron Andrees, der damals zwar noch nicht dabei war, nun aber die Initialzündung gab: „Wir treffen uns seit Januar diesen Jahres einmal im Monat“, so Hans. Die Coronapandemie kam dazwischen, aber seit Juli finden die Treffen nun wieder regelmäßig statt – momentan im Café Morcolade. Per Mund-zu-Mund-Propaganda hat sich das Treffen herumgesprochen: „Es kamen dann auch Freunde von Freunden zu den Treffen, die ich zum Beispiel vorher gar nicht kannte“, erzählt Hans.



Die Gruppe soll offen für alle queeren Jüdinnen und Juden und auch deren Partner*innen sein: „Wir sind nicht speziell religiös ausgerichtet“, erklärt Hans. „Bei uns steht die jüdische Kultur im Vordergrund. Natürlich können diejenigen, die gemeinsam religiöse Feste feiern möchten, dies tun, da sind wir wie gesagt ganz offen. Man sollte selbst jüdisch sein, das ist das Bindeglied der Gruppe“. Teilnahmen an CSD-Demos sind ebenfalls wieder geplant: „Natürlich möchten wir wie jede Gruppe, sei es ein Sportverein oder ein Manager-Club, für die Rechte homosexueller Menschen kämpfen“, erklärt Hans.


Gefreut hat ihn, dass die Yachad-Treffen bereits im Kalender der jüdischen Gemeinde Frankfurt als Stammtisch eingetragen wurden „Das waren die Treffen der früheren Gruppe wohl nicht“, meint Hans. „Wie in allen Religionen gilt: Je orthodoxer, desto mehr werden Homosexuelle verteufelt. In Frankfurt ist die Gemeinde mittlerweile wohl schlauer geworden und hat unsere Termine nun offiziell aufgenommen“. Interessierte können über die Facebook-Gruppe oder Hans’ Email-Adresse Kontakt aufnehmen.


von Björn Berndt

14. Oktober 2020





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